Die "S-Klasse"


Interview mit Ö.


Auszüge aus einem Interview im ungarischen Hunde-Magazin "A Kutya" (Der Hund)

Sopron-Mudis

"Ich bin kein Tierquäler!"


Übersetzung: Katalin Gibiszer

Kann man die Verantwortung mit einer Verurteilung abschütteln?

Mit einer ungewöhnlichen Bitte kam er zu uns in die Redaktion: Ö. hat uns darum gebeten, seine Meinung zu seinem Fall zu sagen. Wir haben es erlaubt, jeder Angeklagte darf sich verteidigen.
Wir haben ihn ermahnt, von uns als Hundeliebhaber kann er nicht erwarten, dass wir ihn verteidigen. Er hat uns einige Dokumente gegeben, welche wegen dieses Falls entstanden sind, bzw. noch bevor alles aufflog. Das hat uns nachdenklich gemacht. Ist er allein an allem schuld?

Erste Frage: "Wer ist Ö."?
Ö: "Ich bin in Kassa geboren, ich war Sportler, dann bin ich Bergbauingenieur geworden, dann vor ein paar Jahrzehnten habe ich angefangen Skulpturen zu schnitzen. Ich wollte eine Skulptur-Parkanlage machen, eine Art botanischen Garten. Nur waren meine Pflanzen und Werkzeuge immer verschwunden. Es hat mir jemand geraten, ich solle Hunde kaufen um meine Anlage zu bewachen. Ich hatte 2 Kuvaszwelpen gekauft. Sie waren etwa ein halbes Jahr alt als sie auch verschwunden waren. Ende 1998 hatte ich dann schon 6 Hunde, darunter 2 Mudis, 1 schwarzer und 1 cifra. Oktober '99 wurde der erste Wurf geboren. Dabei war ein braun-cifra, die noch nicht anerkannte Farbe. Damals habe ich noch gar nichts von Mudis gewusst. Ich habe Rat bei der Züchterin Szabó Zsuzsa geholt. Dann habe ich den Bestand mit anderen Hunden erweitert. Nicht nur mit Mudis. Es gab Zeiten, in denen alle 9 ungarische Rassen vertreten waren. Natürlich habe ich alle nur mit der eigenen Rasse gepaart. Die Welpen habe ich verkauft. Das Hobby ist weiter gewachsen. Ende 2000 waren 23, 2001 waren 46, 2002 waren 97, 2003 waren es 164 Hunde und so ging es hoch.

Frage: "Was war überhaupt Ihr Ziel?"
Ö: "Dazu komme ich gleich. Erstmal möchte ich noch erzählen, dass hier am Anfang noch nicht so schlimme Umstände waren wie zuletzt festgestellt. Im November 2001 habe ich ein Vortrag gehalten über meine züchterische Tätigkeit in der MEOE Fényes Dezsö Mudiklub in einem Symposium "Die Zukunft der Mudis". Damals hatte ich 46 Hunde. 2002 kam eine 4köpfige Delegation zu mir. Sie haben Videoaufnahme gemacht, die sie auch auf dem nächsten Klubtreffen gezeigt haben. Die Aufnahmen haben die anderen ungarischen Rassehunde-Klubs gesehen. 2004 hat auch die örtliche Behörde mein Grundstück überprüft. Sie haben mich in Ruhe gelassen, sie haben keinen Fehler gefunden.
Dann hat jemand mich angezeigt. Daraufhin kamen sie auch um das zu überprüfen. Ich habe kein Bußgeld zahlen müssen und die Anzahl der Hunde wurde auch nicht beschränkt."
...

Es war noch jemand in Abwesenheit von Ö. auf dem Grundstück und hat einen Bereich gesehen, in dem die "Disziplinier-Abteilung" war.

Frage: "Was heißt Disziplinier-Abteilung?"
Ö: "Wo es so viele Hunde gibt, noch dazu frei, dort ist es unausweichlich, dass sie miteinander raufen. Als Strafe band ich sie an Ketten. Ich hatte schon mehr als 80 Hunde als der erste verendete. Sie haben gestritten und einer hat den kürzeren gezogen. Ich habe nur den Kadaver entdeckt. Ab dieser Zeit wurden monatlich ein oder zwei getötet. Dann habe ich einen berühmten Ethologen angerufen und um Rat zu beten. Er hat gesagt, sie hätten keine Aggressionsforschung gemacht. Er hat auch keine Hilfe angeboten. Aber unbewußt hat er den "Schlüssel" gegeben. Ich soll mit den Hunden umgehen wie mit Soldaten. Ich soll sie steuern wie eine Armee. Am Anfang habe ich mir nichts dabei gedacht. Aber nach ein paar Monaten habe ich den ersten Hund abgelöst. Er war der drittgekaufte Hund. Er wurde sozialisiert als es noch nur wenige Hunde waren. Er konnte sich nicht den anderen unterordnen. Als ich ihn aus der Gruppe genommen habe, hatten sie wenig später schon den neuen Anführer. Nicht der älteste, auch nicht der stärkste, sondern der klügste. Dieser Hund war in einem großen Rudel aufgewachsen, er konnte für 100 Hunde denken. Zwischen den 60 freilebenden Hunden gab es jahrelang keinen Toten mehr."

Frage: "Und ist es schon ein Erfolg, dass es keine Tote gab? Was hat es für ein Sinn so viele Hunde zu halten? Der Mudi ist auch kein ausgesprochener Rudelhund, sondern ein Hütehund, der mit Vertrauen eng mit dem Schäfer zusammenarbeitet. Weder Hund noch Wolf leben in 100köpfigem Rudel, für sie ist es unnatürlich."
Ö: "Ist es denn natürlich, wenn der in Wohnung gehaltene Hund auf dem Schreibtisch des Herrchen herumläuft? Ich weiß, dass nicht mehr als 12 Wölfe miteinander leben können, aber ich wollte keinen Wolf machen, und ich wollte auch nicht den Hütehund entdecken, der schon existiert hat. Ab dem Zeitpunkt als ich wusste, was mein Ziel ist, haben die Hunde keine Ahnentafel bekommen."

........

Frage: "Wir wissen immer noch nicht, was das wichtige Ziel war?"
Ö: "Es waren mehrere. Am Anfang wollte ich einen Hund züchten, der nicht so erschreckend wie der Kuvasz, aber angesehener als der Mudi ist. Das habe ich mir vorgenommen als einer meiner Kuvasz unter dem Zaun durchgeschlüpft ist und ein Nachbar ihn getötet hat. Sie haben einfach Angst vor dem Hund gehabt. Später wurde ich aufmerksam auf die verschiedenen Farben der Mudis. Das kannten die Professoren an der Uni auch noch nicht. Insbesondere der Zusammenhang zwischen cifra und Albinismus interessierte. Damals habe ich noch nicht das Buch von Zöldág László gelesen, aber ich kannte die alte Schäferweißheit. "Tiger mit Tiger zu paaren ist verboten!" - da kommt kein lebensfähiger Hund raus. Doch, kam es! Dann sind auch zwei Albino geboren, von zwei schwarzen Eltern. Das hat mich gewundert. Dann habe ich die Verbindung mit Prof. Zöldág aufgenommen. Er hat zwei Studentinnen zu mir geschickt, um meine Hunde für ihre Diplomarbeit zu studieren. Ich kam darauf, dass alle cifra Mudis Träger des Albinismus-Gens sind. Aus den Würfen habe ich nicht alle Hunde behalten, nur 4-5. Von den aussortierten oder gestorbenen Welpen habe ich die mit interessanter Farbe für spätere Untersuchungen eingefroren. Natürlich hatte ich Kritiker, viele haben gesagt, dass Hunde keine Briefmarkensammlungen sind. Aber auf Farbe zu züchten und Forschungen betreiben kann man nur mit viele Hunden."

Frage: "Eine Züchtervereinigung hat gerade die Aufgabe, dass die Ziele der Züchter übereinstimmen, so muss es nicht eine handgroße Population sein. Wenn jemand wissenschaftliche Forschungen betreiben will, muss im Hintergrund ein wissenschaftliches Institut mit hygienische Bedingungen und Personal stehen. Die öffentliche Meinung im Land war nicht gegen die Forschung über Albinismus, sondern gegen die Umstände der Haltung der Tiere. In dem Protokoll steht und Fotos beweisen, dass die Mehrheit der Hunde keinen überdachten Schlafplatz und kein Trinkwasser hatte."
Ö: "Ich höre jeden Morgen den Wetterbericht und je nach dem beschloss ich, wann und wie oft ich die Hunde tränke. Wenn ich den Wassernapf vor dem Hund voll lasse, dann schüttet er ihn schnell aus, dann hat er kein Wasser mehr, dann kann er einen Sonnenstich bekommen, wie es auch passiert ist. Wenn er daran gewöhnt ist, nur zu trinken wenn er Wasser bekommt, dann passiert es nicht. Wer sich nicht daran gewöhnen konnte, den nahm ich auch aus der Zucht. Diese Hunde bekamen Futter mit hohem Feuchtigkeitsgehalt. Als ehemaliger Sportler weiß ich, wie das ihren Flüssigkeitsbedarf beeinflusst. In den letzten 2 Jahren habe ich sie mit Abfall gefüttert. Essensreste von menschlicher Nahrung von verschiedenen Einrichtungen. Seit der Aufnahme in die EU ist es verboten, die Schweine mit diesem Abfall zu füttern. Sie haben mich sogar dafür bezahlt, dass ich das weggebracht habe. Von diesem Geld habe ich Benzin, Fässer, Wassernäpfe gekauft. Diese Anschuldigungen haben solche Hundehalter gemacht, die mich nie gesehen haben, mit mir nie gesprochen haben und Hilfe haben sie auch nicht angeboten. In meiner Abwesenheit sind sie zu fünfzehnt mit Polizisten in mein Grundstück eingebrochen und haben sich gewundert, dass die Hunde, die vorher nur mit mir Kontakt hatten, vor ihnen Angst hatten und sich merkwürdig verhalten haben. Dass sie schlammig waren, das ist wetterbedingt. Wenn sie im Sommer gekommen wären, dann wären sie staubig gewesen. So ist es überall im Land."

Frage: "Zur artgerechten Hundehaltung gehört auch Bewegung und die Befriedigung seelischer Bedürfnisse. Wenn Sie mir sagen, wie Sie das alles 200 Hunden geben, dann glaube ich Ihnen, dass Sie gute Absichten hatten."
Ö: "Wenn ich sie auch nicht gehätschelt habe, habe ich sie trotzdem regelmäßig frei laufen lassen und die Hunde haben sich daran gewöhnt, dass ich sie nachdem wieder auf ihre Plätze zurückgebracht habe - das haben sie verdient. Aber wenn jemand schon mehrere Hunde gesehen hat, der weiß, so viele Hunde kann ein Mensch unmöglich alleine pflegen. Das war mir seit Jahren klar, als der Bestand stets wuchs. Skulpturen konnte ich schon lange nicht mehr schnitzen. Ja, doch, ich war alles: Forschungsleiter, Reinigungspersonal, fürs Futter verantwortlich. Die Hunde mussten die Kosten einbringen. Dann kam die Bombe in der Presse und ich wurde angeklagt. Es war eine unglückliche Situation, noch dazu war es ein sehr nasser, kalter Winter und wegen Unterkühlung sind einige Hunde gestorben, was hätte nicht passieren müssen, aber ich war von den Behörden gezwungen, dass ich die Hunde zu zweit, zu dritt einsperre. Ich habe die Leichname auf das Dach der Hütte gelegt, weil ich mit einem Welpen zum Tierarzt musste und weil ich auch verbittert war, ich habe nur unverständliche Anweisungen gekriegt statt Hilfe. Ich weiß, dass ich die ganze Sache nicht heil hätte überstehen können, ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, aber nicht unbedingt die, die man mir jetzt vorwirft. Ich denke nicht, dass die Zukunft eine Hütehund-Rasse, die raue Haltung gewöhnt ist, auf einem Schreibtisch braucht. Sie können vieles von mir sagen, aber ich bin kein Tierquäler!"

Wie viele Hunde sind ein Leben?

So weit der Bericht und jetzt kommt die Lehre. Erstmal muss man schon sagen: wenn das alles stimmt, was in den Medien berichtet wurde, dafür gibt es keine Entschuldigung. An der Kette gefesselt, ohne trockenen, warmen (im Sommer kühlen) Unterschlupf zu leben, den ganzen Tag ohne Futter und Wasser, ohne Pflege, ohne menschliche Zuneigung - dieses Leben ist nicht würdig für den besten Freund des Menschen und nicht zu vereinbaren mit der Menschlichkeit und mit dem Grundsatz der europäischen Kultur. Man kann sich nicht damit verteidigen, dass die ungarischen Hunderassen an raue Bedingungen in der Natur gewöhnt sind, wo die Tiere wie im Winter so am Sommer draußen gehalten werden, das ist nur bei Huftieren normal. Die Vorfahren der Pferde, Rinder und Schafe waren in Natur lebende Tiere ohne Stall. Sie mussten bei Regen, Schnee und Sonne ohne Schutz draußen sein, deswegen sind ihre Nachkommen auch widerstandsfähig. Raubtiere brauchen immer ein Versteck, eine Höhle, wo sie sich vor der schlechte Witterung schützen können. Bei den robust gehaltenen Herden arbeitende Hunde haben auch einen Platz bei dem Schäfer in der Hütte.

Nicht nebensächlich, dass bei Ö. eine Menge Hunde auf verschiedene Weise verendet ist: im Kampf von einem anderen Hund getötet, der Nachbar hat aus Rache getötet oder aus Angst, an Babesiose oder anderen Krankheiten gestorben, im Winter wegen Unterkühlung oder sie sind nicht lebensfähig geboren worden - in der Mitte des Interviews, haben wir aufgehört zu zählen, er hätte das selbst nicht sagen können. Obwohl die auf dem Gelände gehaltene Hunde nicht für Tierforschungen benutzt wurden, so wie wir das kennen (es wurden an ihnen keine Chemikalien getestet, sie wurden nicht genchirurgisch behandelt), aber durch die Kreuzungen und Haltungsforschungen mit spartanischen Bedingungen sind so viele Tiere verendet innerhalb von 8 Jahren, wie ein normaler Hundehalter in seinem ganzen Leben lang nicht "verbraucht". Das muss man mal überlegen: ein Hund, der in einer hundelieben Familie aufwächst, fängt nach 8 Jahren langsam an alt zu werden!

Ist nur die Menge wichtig?

Der Hund ist ein der menschlichen Lebensweise angepasstes Rudeltier, für den die enge Verbindung mit den Menschen wichtiger ist als das Zusammenleben mit Artgenossen. Man kann also sagen: es ist keine artgerechte Haltung, wenn der Besitzer dem Hund nicht den täglichen Kontakt ermöglicht, zusammen mit ihm etwas zu machen und den persönlichen, seelischen Kontakt bietet. Es existieren Hunderassen wie Jagdhunde, Schlittenhunde, die im Rudel leben und viele Züchter halten auch mehrere von ihnen. Aber die Anzahl darf nur so hoch sein, dass genügend Beschäftigung, Erziehung und seelische Verbindung gesichert ist. Wenn jemand es nach mehreren Mahnungen nicht akzeptiert hat, verdient er für sein ganzes Leben den Kontakt mit Hunden nicht!

"Bevor aber wir Ö. den "Satan der Hunde" nennen und denken, es ist alles gelöst, wenn er verurteilt wird, müssen wir noch einige Umstände klären. Erstens die traurige Tatsache, dass der Fall in Sopron ein sehr großes Echo im Land ausgelöst hat wegen der hohen Anzahl der Hunde, aber es wird keinen einzigen Hunden trösten, dass der Besitzer "nur" ihn quält und keine weiteren Hunde hat. Egal wo wir im Land unterwegs sind - in jedem Dorf oder am Stadtrand, in Höfen - können wir Hunde sehen, die ungepflegt an 1m langen Ketten ringen, fast ersticken, den Boden aufwühlen oder in einem paar quadratmetergroßen Käfig gesperrt die ganzen Welt hassend verbellen. Am Morgen in den Napf geschüttetes Wasser wird schnell umgekippt und auf einen Teller kommt nur die Schale des Brotes mit ein paar Hähnchenknochen. Als Hundehütte kriegen sie Betonringe oder Metallfässer, provisorische Hütten aus Sperrholz, die nicht wasserdicht sind. Die Winter sind zu kalt, im Sommer wird es zu heiß. Ihr Winterfell hängt in Fetzen von ihnen ab. Zum Freilauf haben sie keine Gelegenheit, in der Haut an ihrem Hals ist das Halsband ins Fleisch eingewachsen, was noch im Welpenalter umgelegt worden ist und das man vergessen hat anzupassen. Hunderttausende von Hunden leben so, sie haben auch gar keinen Pflege oder Zuneigung wie die Opfer des Soproner "Hundefängers", sie werden nach 2-3 Jahren jämmerliche Wracks. Oh doch! Wir haben alle schon solche Hunde gesehen!! Und wie viele Besitzer davon werden verurteilt wegen Tierquälerei? Oder wird nach ungarischem Gesetz nur Massenmord verurteilt?"

Ausschnitte aus dem Gutachten von Dr. Péter Pongrácz, Biologe (Eotvös Lorant Universität für Wissenschaft (ELTE) Etologie Fakultät) und Präsident des ungarischen Mudi-Clubs, für das Soproner Polizei Präsidium

Das Verhalten des Hundes gegenüber Menschen ist grundlegend anders als das der anderen Haustiere. Das nennt man in der Westeuropäische Kultur "Tiergefährte-Status". Das wichtigste Merkmal ist, dass der Hund keine wildlebende Variante hat, sondern alle Hunde ihren natürlichen Lebensraum in der Gesellschaft der Menschen haben. In der westlichen Kultur besonders typisch ist, dass der Hund und sein Besitzer eine sehr enge Verbindung haben, aber auch in Afrika und Asien lebende Pariahunde leben in menschlichen Siedlungen, obwohl sie keine bestimmten Besitzer haben. Der Hund lernt nach der Geburt sehr schnell, den Mensch anzuerkennen und die Welpen schenken ihm mit 6-8 Wochen schon besondere Aufmerksamkeit und Zuneigung. Diese Beziehung ist zwischen Mensch und Hund so unzertrennlich, dass der Hund sein ganzes Leben lang die Gesellschaft des Menschen sucht, er braucht diese, er akzeptiert die Führungsrolle des Menschen und mit bewundernswerter Leichtigkeit passt er sich der menschlichen Gesellschaft an. Das ist alles nur möglich, wenn wir es annehmen, dass es die angeborene hundetypische Eigenartigkeit ist, den Menschen zu akzeptieren. Die Fähigkeit, auf den Menschen aufmerksam zu sein und die Fähigkeit, die Verbindung zum Menschen aufzubauen. Davon und von der Beobachtung, dass der beim Menschen aufgewachsene Hund nicht mehr wirklich wild sein kann, haben die Ethologen die Schlussfolgerung gezogen, dass die menschliche Gesellschaft und dementsprechende Behandlung arttypische Ansprüche des Hundes sind. Folglich, wenn wir diese Ansprüche nicht befriedigen können, verursachen wir genauso bleibenden Schaden wie wenn wir andere grundlegende Bedürfnisse (Nahrung, Unterschlupf, medizinische Versorgung) vernachlässigen würden.
Daraus folgend vertritt der Ethologe den Standpunkt, dass - im Vergleich zu den anderen Nutztieren - der Hund noch einmal mehr unbedingt notwendige Ansprüche in seiner Haltung hat: regelmäßige, genügende, aktive Anwesenheit des Menschen. Um sich um den Hund zu kümmern, reicht es nicht nur zu füttern, zu tränken, sauberzumachen, sondern (1) Die Welpen und Jungtiere müssen sozialisiert werden (Gewöhnung an Menschen und die Bewegung in seiner Gesellschaft. (2) Geeignete Besitzer finden, die sich mit dem Hund beschäftigen (Spiel, Sport, Pflege...)

Durch die auf dem Hundegelände beobachteten Haltungsanomalien und grobe Zeichen des Fehlens menschlicher Pflege bin ich zu der Schlussfolgerung gekommen, dass der Besitzer der Tiere sich nicht richtig mit ihnen beschäftigt. Er hat für sie weder die richtige Unterbringung, Nahrung, Wasser, Bewegungsmöglichkeit, sondern für einen Ethologen viel schlimmer: noch menschliche Zuneigung oder humane Behandlung. Diese Hunde arbeiten nicht, der Besitzer pflegt sie nicht, bewegt sie nicht - augenscheinlich macht er mit ihnen gar nichts, er lässt sie auf sich allein gestellt, um sich zu vermehren und zu sterben.

Ich betone: wenn er die Ernährungs- und Haltungsumstände vielfach verbessern würde, wäre das auch überhaupt kein geeignetes Gelände von Ö. für die Hundehaltung. Das ist unmöglich, allein nur die große Anzahl der Hunde: eine Person oder sogar eine Familie kann nicht mehr als 12 Hunde artgerecht pflegen und halten. Also das Hauptproblem sind, wie ich sehe, nicht die grauenhaften Umstände, sondern dass die Hunde auf jegliche menschliche Nähe verzichten müssen.

Helfershelfer - wer stumm bleibt...

Im Zusammenhang mit diesem Fall gab es vor Veröffentlichung Dokumente, die bestätigen, dass viele Fachmänner über die Machenschaften von Ö. wussten, über die Anzahl der Hunde, über ihre Lebensumstände und über die Forschungen von Ö. Viele züchterische Vereinigungen waren in Kontakt mit ihm, haben Hunde gekauft, verkauft und haben mit den Hunden gezüchtet. 2001 hat Ö. persönlich einen Vortrag gehalten über seiner Tätigkeit. 2002 haben sie Videoaufnahmen gemacht von dem Schauplatz, die in breitem Kreise gezeigt worden sind. 2004 wurde von dem Geschäftsführer der MEOE eine offizielle Lokalanalyse gemacht für die Soproner Gemeinde, die hätte auch klar sehen müssen, dass die Vermehrung der Hunde durch Ö. mit den Grundprinzipien nicht zu vereinbaren ist, weder mit denen der MEOE noch des FCI. Sie haben nicht mal vorgeschlagen, Ö. von der Vereinigung auszuschließen. Es wurde bloß erst dann sehr schnell getan, als der Fall zum landesweiten Skandal wurde. Der Hundebestand bildete die Grundlage für Facharbeiten an der Universität und die Leitung hat sich damit genügt, sich im nachhinein von dem Fall abzugrenzen, obwohl nach dem Tierschutzgesetz Tierversuche nur in registrierten Forschungslaboren durchgeführt werden dürfen. Die Soproner Gemeinde hat mehrmals Bußgelder gegen Ö. verhängt, aber niemand hat es für wichtig gehalten, ernsthafte Schritte gegen ihn einzuleiten. Und das in einer Stadt, wo die Hundehaltung streng geregelt ist.

Es lohnt sich auf die Mangelhaftigkeit des Tierschutzgesetzes aufmerksam zu machen: die Gründung von wohltätigen Tierheimen und Pensionen wird streng geregelt, aber für solche Fälle gibt es keine eindeutige Regelung....
Das Gesetz sagt nicht ganz klar aus, dass der Hund (auch nur einer!!) nicht sein Leben lang an der Kette gehalten werden darf - es sagt nicht klar aus, dass es Tierquälerei ist, ihn in den Käfig zu sperren oder ihn ohne Schutz vor schlechtem Wetter zu halten, ihn menschlicher Gesellschaft zu berauben oder nicht zu sozialisieren. Dann kann jeder sagen, dass es auch sein Ururgroßvater so gemacht hat und der Hund hat trotzdem überlebt - warum ist es dann jetzt nicht mehr gut? Wenn die Meinungen von der Hundezüchter-Vereinigungen und von Ethologen über kultivierte Hundehaltung, das Verhalten des Hundes und Sozialisierung nur im nachhinein gefragt ist, in Zusammenhang mit einzelnen Fällen, dann ist es schwer die Verantwortung abzuschieben mit der Steinigung von einzelnen Sündern.

Dann kommt noch ein Artikel von der Professor Zöldág László (an der Heiligen Stefan Universität, Tierärztliche Fakultät), dass dieser nie eine Forschung auf dem Gelände von Ö. gemacht hat. Ö. hat ihn aufgesucht, er hat auch von den Proben von Ö. Untersuchungen gemacht, aber wegen Meinungsverschiedenheiten war der Kontakt zwischen den beiden abgebrochen.......
Was noch folgt sind nur noch ein paar Zeilen, wo noch versucht wird den guten Ruf der Tierärztlichen Fakultät rein zu waschen.